Eröffnung der Mahn- und Gedenkveranstaltung am 7. Sept. 2013

Hubert Kniesburges
Vorsitzender des Arbeitskreises
BLUMEN FÜR STUKENBROCK

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde, verehrte Anwesende,
74 Jahre nach dem völkerrechtswidrigen Angriff der deutschen Wehrmacht am 1. September 1939 auf Polen haben wir uns anlässlich des Antikriegstages 2013 hier auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock-Senne versammelt. Wir gedenken der 65.000 toten sowjetischen Kriegsgefangenen, die hier im Lager 326 zu Tode gequält wurden. Außer ihnen starben in diesem Lager zahlreiche Gefangene und Zwangsverschleppte aus der UdSSR, aus Polen, Frankreich, Italien und Jugoslawien. Sie wurden Opfer des deutschen Nazi-Staates, dem man vor achtzig Jahren die Macht übertragen hatte.

Gedenkrede Lühr Henken, Sprecher des Bundesausschusses Friedenratschlag

BLUMEN FÜR STUKENBROCK – 7.9.2013
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
vielen herzlichen Dank für die Einladung. Es ist mir eine Ehre hier heute zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich freue mich über die zahlreiche Teilnahme, insbesondere über die jungen Menschen, die sich im Antifa-Workcamp mit der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 auseinandersetzen. Ich möchte mich bedanken bei den Veranstaltern, dem Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“. Er hat seit mehr als vier Jahrzehnten, genau seit 1967, unermüdlich an die unsäglichen Gräuel, die hier in der Zeit von 1941 bis 1945 begangen wurden, erinnert.

Redebeitrag von Werner Höner, langjähriger Vorsitzender des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock, auf der Mahn- und Gedenkveranstaltung am 7. September

Seit dem Jahr 1967 versammeln wir uns hier am Antikriegstag zu einem Bekenntnis für eine Friedens- und Verständigungspolitik. Das ist auch in diesem Jahr wieder der Fall.
Die bange Frage, die sich uns heute stellt ist:
Haben wir in den kommenden Tagen mit einem sogenannten Militärschlag, mit einem furchtbaren Krieg zu rechnen?
Müssen wir uns darauf einstellen, dass in den nächsten Tagen das Volk von Syrien mit Raketen, mit Marschflugkörpern bombardiert wird?

Grußwort der LandesschülerInnenvertretung NRW

Grußwort der LandesschülerInnenvertretung NRW für die Gedenkveranstaltung „Blumen für Stukenbrock“

Hallo liebe Antimilitaristen und Antimilitaristinnen, liebe Antifaschisten und Antifaschistinnen, liebe Friedensfreunde.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Diesen Ausruf hören wir oft und finden ihn auch richtig und wichtig, doch was steht dahinter? Was muss unsere konkrete Aufgabe sein, um Faschismus und Krieg in der Welt zu verhindern? Und ist es dafür am Ende nicht schon zu spät? Würde nicht die Aussage „nie wieder Krieg“ implizieren, dass es momentan keinen gäbe? Viele linke Organisationen, Friedensbewegungen und Antifaschistinnen und Antifaschisten setzen sich mit diesen Themen und Fragen auseinander und kommen zu den unterschiedlichsten Antworten.

Antikriegstag 2013 - Mahn- und Gedenkveranstaltung am 7. September in Stukenbrock

Sowjetischer Soldatenfriedhof Stukenbrock-Senne, Senner Straße

Sonnabend, 7. September
14.00 Uhr Friedhofsführungen
15.00 Uhr Kranzniederlegung
Gedenkansprachen:
Dr. Silvio Peritore Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
Lühr Henken Sprecher des Bundesausschusses Kasseler Friedensratschlag

Am 7. September kommen wir zum Sowjetischen Soldatenfriedhof nach Stukenbrock,  weil wir nicht vergessen wollen, was dort für Verbrechen an Menschen in der Zeit von 1941 – 1945 geschahen.
65.000 sowjetische Kriegsgefangene und zahlreiche Zwangsverschleppte wurden dort im Kriegsgefangenenlager STALAG 326 VI/K der Wehrmacht zu Tode gequält und auf einem benachbarten Acker in 36 Massengräbern verscharrt. Sie wurden Opfer des deutschen Nazi-Staates, dem man vor achtzig Jahren die Macht übertragen hatte.
Mit dem 2. Weltkrieg hatte dieses Regime für seine Weltherrschaftspläne Deutschland und fast die ganze Welt in eine Katastrophe gestürzt, wie sie die Menschheit bisher nicht erlebt hatte.
„Von Deutschland soll nie wieder Krieg ausgehen“ , das war und ist eine Lehre aus dieser Zeit.
Was aber erleben wir heute?

  • Deutsche Soldaten kämpfen in Afghanistan und sind in vielen Ländern in Einsätzen.
  • Deutsche Soldaten beteiligten sich am völkerrechtswidrigen Krieg im ehemaligen Jugoslawien.
  • In Deutschland lagern noch immer die USA- Atomwaffen aus der Zeit des Kalten Krieges.
  • In Deutschland können Nazis wieder mit staatlicher Toleranz und Förderung rechnen.
  • Aus Deutschland werden Kriegswaffen in großen Mengen an Staaten geliefert, die die Menschenrechte mit Füßen treten.

Das nehmen wir nicht hin! Für uns ist die Mahnung von Stukenbrock
UND SORGET IHR DIE, IHR NOCH IM LEBEN STEHT, DASS FRIEDEN BLEIBT, FRIEDEN ZWISCHEN DEN MENSCHEN, FRIEDEN ZWISCHEN DEN VÖLKERN Auftrag zum Handeln.
Deshalb erwarten wir auch vom neu zu wählenden Bundestag, dass er sich dem antifaschistischen Auftrag und dem Friedensgebot des Grundgesetzes verpflichtet fühlt.
Von Deutschland darf nur noch Frieden ausgehen!
Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock e.V.

Von Deutschland darf nur noch Frieden ausgehen!

In Vorbereitung der Mahn- und Gedenkveranstaltung zum Antikriegstage 2013 am 7. September in Stuknbrock und den Diskussionen um die Politik Russlands und dem Export von Kriegswaffen aus Deutschland scheinen einige Passagen aus diesbezüglichen Stukenbrocker Gedenkreden der vergangenen Jahre von aktueller Bedeutung.
Wir bringen sie hiermit auszugsweise in Erinnerung und stellen sie zur Diskussion:

Frau Dr. Gabriele Krone-Schmalz sagte u.a. am 4. September 2010:

„Ich kann mich auch gut daran erinnern, wie überrascht und hilflos der Westen auf die Abrüstungsvorschläge Michail Gorbatschows, also damals noch der Sowjetunion, reagierte. Das hatte man zwar jahrelang mit Vehemenz gefordert, aber doch nicht damit gerechnet, dass den Forderungen entsprochen werden könnte. Darauf war man im Westen nicht vorbereitet.
Später dann - die Sowjetunion brach zusammen, der Warschauer Pakt verschwand, das ehemalige Jugoslawien ein Pulverfass mit mehr als einer Lunte.

Moskau war bereit, sich an einer neuen Sicherheitsarchitektur zu beteiligen, aber der Westen war nicht bereit, es sich beteiligen zu lassen. Eine vertane Chance? Möglich. Statt weitblickend an stabilen Verhältnissen zu bauen, verlor sich der Westen in Siegermentalität und Besitzstandswahrung – die NATO blieb wie sie war, dehnte sich sogar nach Osten aus. „Wir haben den Kalten Krieg gewonnen.“ Hieß es landauf landab. Wer solche Sätze sagt, hat nichts begriffen.

Entweder ein Kalter Krieg ist zu Ende oder er dauert an. Überstandene Kalte Kriege haben nur Sieger, sonst sind sie nicht überstanden, sonst dauern sie an.
Und jetzt? Heute? An allen Ecken und Enden brennt es. Irak, Afghanistan, Naher Osten. Terrorismus bestimmt die Ausrichtung der Politik. Terrorismus, der erst zur Kenntnis genommen wurde, als es in einer Metropole des Westens krachte. Die Weltwirtschaftsordnung verdient die Bezeichnung Ordnung nicht mehr. Zockerei und eine Mischung aus Perversion und Zynismus hebt alles aus den Angeln. Börsen, die wie Kartenhäuser sind und beim leichtesten Windzug zusammenstürzen, haben reale Wertschöpfung und Fakten abgelöst. Psychologie, zweifelhafte Rankings und Stimmungsmache entscheiden über die Existenz oder den Bankrott von Firmen, zuweilen sogar von Staaten.

4.000 EURO an ehemalige Gefangene des Stalag 326

Spendengelder in Moskau übergeben. 22.11.2012

Auch in diesem Jahr erhalten die Übelebenden des Stalag 326 VI/ K Stukenbrock -Senne in Russland, der Ukraine und Belarus wieder eine solidarische Hilfe aus Ostwestfalen-Lippe. Auf der diesjährigen Mahn- und Gedenkveranstaltung am 1. September wurden für sie, die keinerlei Entschädigung für das ihnen in deutscher Kriegsgefangenschaft zugefügte Leid erhalten haben, gesammelt.

Im Laufe des Jahres gingen beim Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock weitere Gelder für die Unterstützung dieser Menschen ein. So konnten nun wieder 4.000 € in Moskau an den dort für die Verteilung zuständigen ehemaligen Botschaftsrat Dr. Popow übergeben werden, der mit einer kleinen Arbeitsgruppe die Übergabe an die im ganzen Land verstreut lebenden ehemaligen Gefangenen organisiert. Gegenwärtig leben von den durch die Arbeitsgruppe betreuten Veteranen noch 33.

„Mit diesen jährlichen Spenden sagen wir den Überlebenden immer wieder, dass sie in unserem Land nicht vergessen werden. Ihr Leid und das ihrer in Stukenbrock zu Tode gequälten Kameraden wird uns eine ewige Mahnung sein,“ betont Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises BLUMEN FÜR STUKENBROCK.

Eröffnung Mahn- und Gedenkveranstaltung am 1. Sept. 2012 in Stukenbrock

Hubert Kniesburges
Vorsitzender des Arbeitskreises
BLUMEN FÜR STUKENBROCK

Liebe Friedensfreundinnen,
liebe Friedensfreunde
sehr geehrte Damen und Herren,
heute – fast auf den Tag genau – vor 45 Jahren trafen sich zahlreiche Menschen aus Ostwestfalen-Lippe und darüberhinaus hier am Gräberfeld des Sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock. „Zum mahnenden Gedenken“, wie es im ersten Aufruf hieß. Das lose Personenbündnis, das die Gedenkfeier organisierte, wollte sich nicht damit abfinden, diese Stätte faschistischen Verbrechens dem allmählichen Vergessen preis zugeben.
Für mehr als 300.000 sowjetischer Kriegsgefangener begann 1941 im Stalag 326 in der Senne bei Stukenbrock der Leidensweg. 65.000 von ihnen wurden zu Tode gefoltert und gequält oder starben durch Hunger und Krankheit. Außer ihnen starben in diesem Lager zahlreiche Gefangene und Zwangsverschleppte aus der damaligen UdSSR, aus Polen, Frankreich, Italien und Jugoslawien. Nichts und niemand wird vergessen!
In der Erinnerung an ihr Leid und an ihren Tod gedenken wir der vielen Millionen Menschen, die durch die faschistische Gewaltherrschaft umgekommen sind und die in den zahlreichen Kriege des vergangenen und begonnenen Jahrhunderts ihr Leben verloren haben. All diese Toten mahnen uns, Kriege als Mittel der Politik zu ächten!
Mit einer Schweigeminute wollen wir der Toten gedenken.

Gedenkrede Michael Sommer (DGB-Vorsitzender)

Meine Damen und Herren,[1]
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrter Herr Botschafter Grinin,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter anderer Botschaften in der Bundesrepublik Deutschland,

ich freue mich sehr, dass sie hier sind. Ich freue mich auch deshalb, weil Sie sehen und auch berichten können, dass es ganz offensichtlich in diesem Land nicht nur eine Kultur des Wegsehens und des Verdrängens gibt, sondern eine ganz intensive Kultur des Hinschauens, das Dabeiseins, des Nichtvergessens, der Trauer und der Mahnung.
 
Und ganz besonders freut mich, dass unter uns Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines von der Gewerkschaftsjugend organisierten Zeltlagers sind, die diese Tradition wach halten. Ich bin dankbar, derzeit Repräsentant einer Bewegung sein zu dürfen, die sich eines nie vorwerfen lassen muss, nämlich, nicht an vorderster Stelle gestanden gestanden zu haben im Kampf gegen Krieg und Faschismus (Beifall). Die Gewerkschaften waren immer diejenigen, die gesagt haben, Krieg ist nie eine Lösung (Beifall).

Grußwort des Ministers für auswärtige Angelegenheiten der Russischen Förderation

überbracht durch den Botschafter der Russischen Förderation, Vladimir. M. Grinin am 1. September 2012 in Stukenbrock

An die Mitglieder des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“

Recht herzlich begrüße ich Sie zu einem denkwürdigen Datum – dem 45. Gründungstag des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“.
Im Laufe von vielen Jahren geht Ihr Arbeitskreis der wichtigen Aufgabe nach, die Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkrieges lebendig zu halten, steuert einen Beitrag zur historischen Versöhnung zwischen dem russischen und deutschen Volk, zur Entwicklung der strategischen Partnerschaft und der guten Nachbarschaft zwischen unseren Staaten bei. Schwer zu überschätzen ist Ihre Aufklärungsarbeit, die darauf angelegt ist, die Wiederbelebung der nazistischen Ideologie zu verhindern, die Verdrehung der Kriegsgeschichte zu bekämpfen und den Anläufen des Revisionismus, der Rehabilitierung der Nazi-Verbrecher und deren Helfershelfer vorzubeugen.

In Russland weiß man Ihre Bemühungen um die Pflege und Instandhaltung der Gedenkstätte des Sowjetischen Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 hoch zu schätzen. Ich bin überzeugt, dass mit der Achtung vor dem Schicksal anderer Völker und der Vergegenwärtigung der gemeinsamen Verantwortung für die Bewältigung neuer globaler Herausforderungen Voraussetzungen dafür gegeben sind, ein qualitativ neues Niveau der bilateralen Zusammenarbeit zu erreichen und die humanistischen Grundlagen in den internationalen Beziehungen insgesamt zu stärken.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg für alle Ihre Vorhaben zum Wohle des Friedens und der Sicherheit, im Interesse der Festigung der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland.

Sergej Lawrow
Moskau, im August 2012