Aus der Begrüßungsansprache von W. Höner
Werner Höner, Vorsitzender des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock e.V.
Sehr verehrte Frau Landrätin, sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des NRW -Landtages,
Verehrter Herr Vetrow, stellvertretender Generalkonsul der Russischen Förderation , sehr verehrter Botschaftsrat Makaev von der Außenstelle seiner Botschaft in Bonn,
liebe Freundinnen und Freunde, verehrte Anwesende,
erneut versammeln wir uns hier auf diesem Gräberfeld anlässlich des Antikriegstages, der an den völkerrechtswidrigen Angriff der Wehrmacht am 1. September 1939 auf Polen erinnert. Wir gedenken der 65.000 toten sowjetischen Kriegsgefangenen, die hier im Lager 326 zu Tode gequält wurden. Außer ihnen starben in diesem Lager zahlreiche Gefangene und Zwangsverschleppte aus der UdSSR, aus Polen, Frankreich, Italien und Jugoslawien.
So wie wir an ihr Leid und an ihren Tod erinnern, gedenken wir all der vielen Millionen Menschen, die im 2. Weltkrieg und den vielen Kriegen danach, so auch in Jugoslawien, dem Irak, Afghanistan und jetzt im Kaukasus ihr Leben verloren haben. All diese Toten mahnen uns, Kriege als Mittel der Politik zu verdammen!!
Mit einer Schweigeminute wollen wir der Toten gedenken:
Wir sind heute aber auch nach Stukenbrock gekommen, um unsere Erwartungen an eine Friedenpolitik zum Ausdruck zu bringen.
Wir halten angesichts unserer historischen Erfahrungen nichts davon, dass deutsche Soldaten wieder an Kriegseinsätzen beteiligt sind, bzw. waren.
Das betrifft die Beteiligung an den stattgefundenen völkerrechtswidrigen Kriegen gegen Jugoslawien, gegen den Irak und jetzt in Afghanistan.
Für uns kann es heute nur heißen:
Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan!
Von Deutschland darf nur Frieden ausgehen!
Gegenwärtig erleben wir eine neue Hasskampagne gegen Russland. Sie erinnert an düstere Zeiten des Kalten Krieges, an der sich ein großer Teil der neuen NATO-Staaten und der USA sowie wichtige Massenmedien beteiligen.
Der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel schrieb dazu einen sehr verbitterten Brief am 12.08. an die Redaktionen von Tagesschau, ZDF und andere Redaktionen, in dem es u.a. heißt:
"Lügen ohne Ende
Es ist einfach unfassbar, erschreckend und unglaublich, welches Ausmaß bewusste und unbewusste Lügen, Unterlassungen, Pointierungen der gleichgeschalteten und neoliberalen Einheitsmedien erreicht haben."
Er schreibt:
"Es ist die allgemein leider nicht bekannte, aber deshalb nicht weniger wahrhaftige Tatsache, dass Georgien mit seinem vom Westen und der NATO gestützten und mit militärischer Hilfe aufgerüsteten Staat diesen Konflikt mit dem Beginn von kriegerischen Handlungen und ethnischen Säuberungen gegen die mehrheitlich russische Bevölkerungsgruppe in Südossetien entfacht hat."
Walter Scheel vergleicht in dem Brief die politische Situation mit der vor circa 10 Jahren in Jugoslawien und schreibt dazu:
" Den ebenfalls nach Unabhängigkeit strebenden Kaukasus- Völkern der Osseten und Abchasen wird dieses Recht auf Unabhängigkeit ( für das man im ehemaligen Jugoslawien vehement eintrat) dagegen nicht zugestanden und die ethnischen Säuberungsaktionen der Georgier mit Tausenden von Toten zu Beginn des Konflikts am 6,/7.August 2008 werden von 90% der Medien einfach verschwiegen oder unter "Absatz 0815" klein gedruckt".
Man mag die russischen Vorwürfe an die georgische Regierung, dass ein Völkermord stattgefunden habe, als übertrieben betrachten. Tatsache aber ist, dass in den umkämpften Gebieten nur noch 70.000 Menschen leben, während es vor Beginn der Kampfhandlungen 1991 noch 160.000 waren. Der Krieg hat also einen hohen Blutzoll unter der ossetischen Bevölkerung gefordert und zigtausende zu Flüchtlingen gemacht. Davon haben unsere Medien offenbar nichts bemerkt.
Eine Lösung des Kaukasus- Konflikts darf nur friedlich erfolgen. Dazu sind vor allem Georgien, Russland und die NATO aufgefordert! Eine weitere Ausdehnung der NATO auf das Territorium Georgiens würde den Konflikt nicht entschärfen, sondern eine neue gefährliche Lage heraufbeschwören!
Wenn gegenwärtig der ehemalige serbische Politiker Karasczic vor ein internationales Tribunal für Kriegsverbrechen in Den Haag gestellt wird, so mag das ein Hoffnungsschimmer sein, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht ungestraft bleiben.
Glaubwürdig aber wird dieses Tribunal aber erst, wenn es die Verantwortlichen für den völkerrechtlichen Krieg gegen Jugoslawien vor Gericht stellt, und auch die Verantwortlichen der USA und ihrer Willigen, die den Überfall auf den Irak mit seinen ungezählten Toten, darunter Kinder, Frauen und Alte zu verantworten haben. Es muss Schluss sein mit zweierlei Recht in Menschenrechtsfragen!
Wir sind heute nach Stukenbrock gekommen, weil immer noch Nazis mit staatlicher Unterstützung Hass verkünden können und Verbrechen begehen.
Hier in Stukenbrock kann jeder sehen, wohin Rassismus, Faschismus und Kriegspolitik führen.
Unser Arbeitskreis wird sich in Zukunft stärker in der Bildungsarbeit gegen Rassismus und Faschismus engagieren. Auch dazu brauchen wir Ihre Hilfe.
Wenn wir es ernst meinen mit der Respektierung des Willens der Überlebenden von Stukenbrock, alles zu tun, dass Frieden bleibt, dann sollte auch endlich die Bezirksregierung daran gehen, den Obelisken hier auf dem Friedhof wieder so instand zu setzen, wie ihn die Überlebenden gebaut haben. Mit der eine rote Fahne symbolisierenden Glasplastik auf der Spitze.
Es war letztmalig in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, dass ein Offizier der Bundeswehr aus Unna, den Mut hatte, hier auf unserer Veranstaltung zu sprechen. Er wurde dafür aus der Bundeswehr entlassen. Auch in den Jahren vorher wurden immer wieder Bundeswehrsoldaten mit Arrest bestraft, die den Mut dazu hatten, hier in Uniform zu den Veranstaltungen zu kommen.
Wir meinen, dass all die Soldaten und Offiziere in der Bundeswehr Solidarität und Unterstützung finden müssen, die den Mut haben, sich gegen völkerrechtswidrige Handlungen zur Wehr zu setzen.
Wir freuen uns, dass wir mit Oberstleutnant Jürgen Rose heute einen solchen Offizier begrüßen können. Er hatte und hat den Mut, sich gegen die Beteiligung der Bundeswehr an völkerrechtswidrigen Kriegen in Wort und Tat zur Wehr zu setzen.
Wenn jetzt Pläne der britischen Streitkräfte bekannt wurden, in der Senne sechs Kampfdörfer für den Häuserkampf zu bauen, sagen wir mit der Demokratischen Initiative Paderborn auch dazu eindeutig "Nein".
Nicht weitere Aufrüstung sichert unsere Zukunft. Jetzt sind überzeugende Schritte zu Frieden und Entspannung gefragt. Ein solcher Schritt sollte der Abzug der US- Atomwaffen aus Deutschland sein, der schon längst überfällig ist. Bitte unterstützen auch Sie die diesbezügliche Petition an den Bundestag, die Sie am Informationstisch des Arbeitskreises unterschreiben können.
Verehrte Anwesende, liebe Freundinnen und Freunde,
auch in diesem Jahr ist für uns die Solidarität mit den Überlebenden des Lagers eine Herzensangelegenheit. Für uns sind diese Menschen nicht vergessen. Wie in den vergangenen Jahren wollen wir auch 2008 wieder Gelder sammeln, die wir diesen Menschen in den Ländern der ehemaligen UdSSR zukommen lassen wollen. Wir bitten Sie, auch heute nach der Veranstaltung um einen Beitrag zu dieser Solidarität.
Wir sind vor über 40 Jahren angetreten, um gegen den Zeitgeist Brücken nach Osten zu bauen und uns gegen das Vergessen zu engagieren. Gerade heute ist es wichtig, angesichts der 65.000 Toten von Stukenbrock, erneut an die Verantwortlichen in unserem Lande zu appellieren, alles zu tun, dass Frieden bleibt, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern.


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